Vintage-Kleid: Größe und Passform richtig wählen

Die häufigste Enttäuschung bei Retro-Kleidern aus dem Netz ist nicht der Stoff, sondern die Größe. Ein M, das wie eine 36 ausfällt, eine Taille ohne Spielraum, ein Rock, der zu lang ist. Hier steht, wie du misst, wie du die Herstellertabellen liest, welches Maß bei welchem Schnitt zählt und wann die Schneiderin den Unterschied macht.

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Die kurze Regel

Maßband nehmen, Brust, Taille und Hüfte messen, mit der Tabelle in den Produktbildern des Herstellers vergleichen, nie mit dem Buchstaben oder der Amazon-Tabelle. Bei Stretch die kleinere, bei Baumwolle, Spitze und Brautkleidern die größere Zwischengröße. Alles, was dann noch nicht sitzt, macht die Schneiderin für 20 bis 40 Euro.

Messen

Drei Maße, die du brauchst

Mit einem Maßband vor dem Spiegel, in der Unterwäsche, die du zum Kleid tragen wirst. Das Band liegt an, schneidet aber nicht ein.

  • BrustumfangWaagerecht über die stärkste Stelle der Brust und über die Schulterblätter. Im BH messen, nicht ohne.
  • TaillenumfangAn der schmalsten Stelle, meist knapp über dem Bauchnabel. Normal atmen, nicht einziehen. Bei 50er-Kleidern das wichtigste Maß.
  • HüftumfangAn der breitesten Stelle von Gesäß und Hüfte, Füße zusammen. Bei 20er-Kleidern und Wiggle-Dresses das wichtigste Maß.

Für lange Kleider zusätzlich: Länge von der Schulter bis zum Boden, mit den Schuhen, die du tragen wirst.

Tabellen lesen

Warum M nicht gleich M ist

Die Buchstaben sind nur Etiketten. Dahinter stehen bei jedem Hersteller andere Zentimeter. Zwei Beispiele aus den Kleidern auf dieser Seite, nach den Herstellertabellen auf Amazon.

EtikettDeutsche Größe, grobTaille, typischHinweis
S34 bis 3664 bis 70 cmbei vielen Herstellern eine 34
M36 bis 3870 bis 76 cmfällt oft wie 36 aus
L38 bis 4076 bis 82 cmselten eine echte 40
XL40 bis 4282 bis 88 cm20er-Sets enden hier oft
XXL42 bis 4488 bis 94 cmDresstells, Grace Karin, Belle Poque
3XL bis 5XL44 bis 5294 cm und mehrAXOE bis 5XL, Hell Bunny bis 4XL
Richtwerte aus mehreren Herstellertabellen. Die Spanne pro Buchstabe ist der Grund, warum nur die Zentimeter des jeweiligen Herstellers zählen.

Nach Schnitt

Welches Maß bei welchem Kleid entscheidet

Swing-Kleid, 50erTaillennaht, weiter Rock
Taille. Die Naht muss auf deiner Taille sitzen, sonst wandert sie beim Sitzen hoch und das Oberteil wirft Falten. Brust meist unkritisch, weil Sweetheart- und V-Ausschnitte Spiel haben. Hüfte egal, der Rock ist weit.
Wiggle-Dress, Etuikleideng, knielang
Hüfte, dann Taille. Das Kleid liegt überall an. Stretch-Anteil beachten, ohne Elasthan eine Nummer größer.
20er-Kleidtiefe Taille, gerade
Hüfte. Das Kleid sitzt auf der Hüfte, die Taille ist frei. Fällt bei den meisten Herstellern klein aus, bei Zwischengrößen die größere.
BrautkleidSpitze, Chiffon, lang
Alle drei plus Länge. Maßanfertigung oder Nahtzugabe nutzen. Im Zweifel größer bestellen und enger machen lassen. Acht Wochen Vorlauf.
Shirtkleid, 60erA-Linie, kurz
Brust und Schultern. Der Rest fällt locker. Das unkomplizierteste Vintage-Kleid in Sachen Größe.

Passform

Welcher Vintage-Schnitt welcher Figur schmeichelt

Sanduhr

Swing und Wiggle, beides wurde dafür erfunden. Taille betonen, Rock darf stehen oder eng sein.

Birne

Swing-Kleid mit weitem Rock und auffälligem Oberteil: Carmen-Ausschnitt, Muster oben, Uni unten. Kein Wiggle.

Apfel

Empire-Taille oder 20er-Kleid, beide umgehen die Körpermitte. Beim Swing-Kleid eine hohe Taillennaht und kein breiter Gürtel.

Gerade

Petticoat und breiter Gürtel bauen Hüfte und Taille. 20er-Kleider sitzen von Natur aus gut, weil sie keine Taille brauchen.

Klein

Knielang statt midi, damit die Beine nicht verschwinden. Schmale Petticoats, hohe Taille, kleine Muster.

Groß

Midi und bodenlang stehen dir, große Muster auch. Auf die Ärmellänge achten, Dreiviertelarm fällt bei langen Armen wie halblang aus.

Was die Schneiderin kann und was nicht

Enger geht fast immer: Taille und Seitennähte lassen sich um ein bis zwei Größen einnehmen, Säume kürzen, Träger verkürzen. Weiter geht nur, wenn der Hersteller Nahtzugabe eingenäht hat, bei Brautkleidern oft fünf Zentimeter, bei Partykleidern meist gar nicht. Deshalb die Regel bei nicht dehnbaren Stoffen: im Zweifel größer. Schwierig sind Pailletten und Fransen, weil jede Naht sie auftrennt, und gefütterte Spitze, weil zwei Lagen gleichzeitig geändert werden müssen. Unproblematisch sind Baumwolle, Mischgewebe und alles mit verdecktem Reißverschluss im Rücken.

Rechne mit 20 bis 40 Euro für die Taille, 15 bis 30 Euro für den Saum und 50 bis 150 Euro für ein Brautkleid mit mehreren Änderungen. Bei einem Kleid für 40 Euro lohnt das selten, bei einem für 70 Euro meistens, beim Brautkleid immer.

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Die Kleider dazu

* Affiliate-Link. Belle Poque hat einen Stretch-Rücken für Zwischengrößen, AXOE geht bis 5XL, Dresstells ist der Klassiker mit der größten Erfahrungsbasis.

Woher die Angaben stammen

Die Zentimeterwerte sind Richtwerte, zusammengefasst aus den Größentabellen der Hersteller, deren Kleider auf dieser Seite vorgestellt werden. Die Tabelle des jeweiligen Herstellers in den Produktbildern hat immer Vorrang. An Käufen über die Links verdiene ich eine Provision.

Häufige Fragen

Fragen zu Größe und Passform

Warum fällt mein Vintage-Kleid so klein aus?

Die meisten Retro-Kleider auf Amazon kommen von Herstellern, die nach asiatischen oder US-Tabellen schneiden. Ein M entspricht dort oft einer deutschen 36 bis 38, ein XL einer 42. Dazu kommt der Schnitt: Die taillierten 50er-Kleider haben wenig Spielraum in der Taille. Deshalb zählt nur die Tabelle des Herstellers in den Produktbildern, nicht der Buchstabe und nicht die Amazon-Größentabelle.

Wo messe ich Brust, Taille und Hüfte?

Brust an der stärksten Stelle, Maßband waagerecht, im BH, den du zum Kleid tragen wirst. Taille an der schmalsten Stelle, meist zwei Finger über dem Bauchnabel, ohne einzuziehen. Hüfte an der breitesten Stelle des Gesäßes. Alle drei Maße locker anliegend, nicht stramm.

Was mache ich bei Zwischengrößen?

Bei dehnbaren Stoffen wie Nylon-Elasthan oder Polyester mit Stretch die kleinere Größe, viele Hersteller schreiben das selbst. Bei reiner Baumwolle, Spitze über Futter und bei Brautkleidern die größere, weil sich diese Stoffe nicht dehnen und eine Schneiderin enger machen kann, aber nicht weiter.

Welches Maß ist bei welchem Schnitt entscheidend?

Beim Swing-Kleid die Taille, weil dort die Naht sitzt und der Rock weit ist. Beim Wiggle-Dress die Hüfte. Beim 20er-Kleid die Hüfte, weil es dort aufliegt. Beim Brautkleid alle drei plus die Länge. Das Maß, das am engsten sitzt, bestimmt die Größe.

Lohnt sich die Schneiderin?

Bei Kleidern ab etwa 50 Euro und bei jedem Brautkleid ja. Taille enger machen kostet 20 bis 40 Euro, Saum kürzen 15 bis 30 Euro. Ein Online-Kleid, das an der Taille sitzt, sieht aus wie eines aus dem Geschäft. Weiter machen geht nur, wenn Nahtzugabe vorhanden ist.

Kann ich ein Vintage-Kleid zurückschicken, wenn es nicht passt?

Bei Verkauf durch Amazon oder über Amazon-Versand in der Regel innerhalb von 30 Tagen, bei Drittanbietern nach deren Bedingungen. Etiketten dranlassen, nicht tragen, Hygieneschutz nicht entfernen. Bei Brautkleidern vorher die Rückgaberegel lesen, manche Maßanfertigungen sind ausgeschlossen.